Nach gründlicher und intensiver Vorbereitung des Wandersportwartes Helmut Klein vom Kanu-Club Marbach zogen 11 Kanuten vom KCM am 10. Juni nach Krakau in Polen. Von der Weichsel zwischen Krakau und Warschau hat man lange schon geträumt und nun war es soweit.
Bevor es aufs Wasser ging, hatten wir einen Tag lang Zeit um die wunderschöne Kultur- und Königsstadt Krakau mit ihren zahlreichen Baudenkmälern und Universitäten kennen zu lernen. Die Kunsthistorikerin Sylwia Jeruzal führte uns fast 4 Stunden, sehr gut deutsch sprechend, über den Wawel und durch die Altstadt. Äußerst interessant und kurzweilig waren Ihre Erklärungen über die Kultur und Geschichte der Partnerstadt Nürnbergs.
Einer der bedeutendsten Bildhauer und Schnitzer der Spätgotik Veit Stoß aus Nürnberg schuf in den 19 Jahren seines Aufenthaltes in Krakau viele bedeutende Kunstwerke wie zum Beilspiel den Krakauer Hochaltar in der Marienkirche. Wir hätten unserer spannend erzählenden Stadtführerin noch lange zuhören können, aber die Vorbereitung für die große Fahrt rief uns zur Weichsel. Beim Kolejowy Klub Wodny 1929 wurden die Boote starklar gemacht.
Am Samstag morgen den 13. Juni ging es auf den Fluss. Die Kajaks voll beladen mit Camping- und Kochausrüstung, ein paar Kleider, jede Menge an Lebensmittel und vor allem Trinkwasser. 420 Kilometer lagen vor uns, mit Spannung und Erwartung wurde die erste Etappe von etwa 50 Kilometer in Angriff genommen. Vergleichbar mit der Größe des Neckars bei Marbach, entwickelte sich die Weichsel bereits am zweiten Tag zu einem beachtlich breiten Fluss. Durch die Zuflüsse von Dunajec und San bekam die Weichsel die Dimension eines schnell fließenden Stroms.
Ihr gewaltiges Sandgeschiebe bildet jede Menge Inseln, die uns schöne Plätze boten, um unsere Zelte aufzustellen. Für das abendliche Bad und zum Geschirrwaschen nach ausgiebigen Kochorgien hatte die Weichsel, oder polnisch Wisla genannt, immer genügend „fließend kalt Wasser“. Viel Schwemmholz lieferte das Material für die abendlichen, romantischen und wärmenden Lagerfeuer. In zwölf Paddeltagen wurden wir von wunderschönen Flußauen mit einer reichen Vogel- und Tierwelt mit einem außergewöhnlichen Naturgenuss beschenkt.
Zwei kleine Landgänge in die sehenswerten Städtchen Sandomierz und Kazimierz Dolny vermittelten zwischendurch ein Stück Zivilisation. In Slkeps, das sind kleine Gemischtwarenläden, konnten Lebensmittel und Wasservorräte wieder aufgefüllt werden. Zwischendurch wurde abends ein Brotteig angerührt, über Nacht im Schlafsack warm gehalten und am anderen Morgen über dem Lagerfeuer zum Brot ausgebacken.
Sehr naturbelassen fließt die Weichsel, immer breiter werdend, zielstrebig Richtung Ostsee. Um die richtige Durchfahrt zwischen den vielen Sandinseln zu finden, ist die Fahrrinne mit grün und rot gestrichenen Birkenstangen ausgepflockt, die aber oft nicht auf den ersten Blick erkennbar waren. Auch war die Gefahr durch ab und zu kreuzende Kettenfähren und Saugbaggerschiffe nicht zu unterschätzen, was kurz vor unserem Ziel in Warschau beinahe zu einem Problem wurde. Eine Berufschifffahrt wie auf dem Neckar gibt es auf der Weichsel nicht. Sehr wechselhaftes Wetter begleitete uns.
War es morgens kühl und bedeckt, entwickelte sich mittags sommerliche Wärme, krachte es abends als heftiges Gewitter mit Abkühlung auf uns nieder. Ein wehmütiges Gefühl, vermischt mit freudigem Herzklopfen beschlich uns, als wir nach 420 Kilometer die erste Brücke von Warschau durchfuhren, in einen kleinen Seitenkanal einbogen um am Steg des Wassersportclubs WTW - Warszawskie Towarzystwo Wioslarskie – anzulegen.
Uli Buse, der eigens mit dem Flugzeug eingeflogen war um das Tranportfahrzeug samt Bootsanhänger von Krakau nach Warschau zu bringen, erwartete uns schon und rief uns ein kräftiges – dzien dobry – entgegen, in das wir lauthals einstimmten: dzien dobry Warszawa - guten Tag Warschau. Einen Tag blieben wir noch in Warschau bevor wir die Heimreise antraten. Ein paar Kanuten bevorzugten mangels Sitzmöglichkeiten im Auto diesmal für diese wahrlich abenteuerliche Kanuausfahrt das Flugzeug.
Es bleibt die Erinnerung an eine schöne, unvergessliche Ausfahrt und eine besondere polnische Gastfreundschaft.
Bericht: Barbara Klein Kanu-Club Marbach