Der Kanal wird sich an dir „rechen“
Nachdem wir nach einer schönen Autofahrt an unserem Campingplatz „Naherholungsgebiet Autobahnsee“ angekommen waren und uns bei der alten, aber dafür recht unfreundlichen Frau an der Rezeption angemeldet haben suchten wir uns einen Platz auf der schönen Wiese, die eher einem umgepflügten Acker gleichkam. Unter der kritischen Betrachtung der ortsansässigen Dauercamper in Unterhemden räumten wir also das Auto leer. Während die Jungs Lewins Großfamilienzelt aufbauten ging ich Bier holen, was den Vorteil hatte, dass ich die Marke des edlen Hopfengetränks auswählen durfte. Einzige Vorgabe des Spenders Lewin (wegen Geburtstag): Starkbier soll es sein!
Sehr zu meiner Freude fand ich in meiner Zeltkabine noch eine Socke und zwei bis drei Taschentücher vom Vorgänger.
Nachdem das ganze Gerümpel im Zelt verstaut war, kamen auch Sarah und Mario auf dem schönen Campingplatz an. Da sie Ihre Behausung für dieses Wochenende schnell aufgebaut hatten (Boote ausm Kofferraum raus, Isomatten rein) wurde schnell was leckeres gegessen und das erste Bier geköpft.

Da alle sehr gespannt auf den nächsten Tag und vor allem den Kanal waren, entschieden wir uns einfach mal hinzufahren und zu gucken, was uns am nächsten Tag so erwartet.
Habe zum Glück mein Bier mitgenommen, denn als ich die Strecke so sah wurde mein Mund ganz komisch trocken. Also sind wir die Strecke abgelaufen und Mario hat versucht durch Erklären der besten Fahrtroute uns die Angst zu nehmen. Bei mir blieb dieser Versuch allerdings erfolglos…
 Auf der Rückfahrt zum Zeltplatz erspähten wir gleich ein gemütliches Restaurant in dem es am nächsten Tag zur Belohnung einen Big King XXL für uns geben sollte.
Am Zelt, nach ein paar wenigen Bieren (man will ja schließlich am nächsten Tag fit sein) sind wir dann auch bald schlafen gegangen. Im Traum spülte es mich ein wenig in der Waschmaschine umher.
 Nachdem wir dann relativ bald morgens Richtung Eiskanal aufbrachen, quälten wir uns am Parkplatz in unsere Neos rein und besorgten uns ordnungsgemäß ein Ticket.
Nach einer nochmaligen Begehung der Strecke und der ernüchternden Feststellung, dass das ganze über Nacht nicht einfacher geworden ist, ging es los. Wir standen am Einstieg und entschieden uns erstmal links auf die Kinderstrecke abzubiegen. Bei dieser blieb es an jenem Tag auch für Ulf und mich. Denn nach zahlreichen Kenterungen und der herben Enttäuschung, dass mein Boot immer noch keine automatische Rollfunktion besitzt, wollte ich mich nicht in die Fänge der Olympiastrecke mit ihren geschätzten 10m hohen Wellen und Walzen die einen zu verschlingen drohen begeben.
 Während Mario sich also, sehr zum Ärger der Slalomfahrer, munter in der Waschmaschine vergnügte und einen Loop nach dem anderen hinlegte, versuchten Ulf und ich unser Glück immer noch an den Mini-Walzen auf der Kinderstrecke. Auch die Überredungskünste von allen brachten mich an diesem Tag nicht auf die „richtige“ Strecke. Meine Furchtsamkeit vor der Strecke wurde nicht unbedingt weniger, als wir halfen, ein im Rechen verklemmtes Boot am Auslauf der Strecke zu bergen. Nach Einsatz von diversen Seilen, Ästen und bestimmt 7 Leute die an dem Seil zogen bekamen wir es schließlich frei. Wir hatten danach irgendwie Angst, dass sich der Kanal an uns „recht“…
Nachdem wir es irgendwann geschafft haben Mario mal aus der Waschmaschine zu bekommen in der er die ganze Zeit munter vor sich hingesurft hat, traten wir den Rückweg zum Zeltplatz an. Natürlich mit Boxenstopp an der Cholesterintankstelle.
 An diesem Abend entschieden wir uns trotz Müdigkeit etwas länger aufzubleiben, da unser Lewin-Elwin „Big L“ Pfirsich Geburtstag hatte. Dies wurde natürlich mit dem gesponserten Starkbier begossen.
Doch jeden überkam dann die Müdigkeit und wir gingen schlafen.
Am nächsten morgen ging es mir gar nicht gut. Irgendwie kreiste noch der Doppel Whopper und die große Portion Pommes in meinem Magen rum. Das Starkbier von letzter Nacht trug auch nicht unbedingt zur Verbesserung bei. Die Idee einfach alles mit einem Schluck Jägermeister zu desinfizieren verwarf ich auch schnell. Als Ulf endlich auch wach war hatte ich einen Partner um zu den Klos, in gefühlten 10km Entfernung, zu laufen.
Als ich die Toiletten betrat bot sich mir ein grausiges Bild. Ein Unterhemd-Dauercamper war gerade dabei sein Chemieklo zu entleeren. Zu allem Überfluss kam noch ein zweiter Dauercamper, der 2 Eimer voll Urin in das Pissoir direkt neben mir goss. Der Anblick dieses Dicken, haarigen Mannes in seiner FC-Bayern Sporthose und der Duft aus einer Mischung von Urin, Chemie-klo-chemie, Kacke und Schweiß waren eindeutig zuviel für Whopper und Co. Mit einem eigenen Beitrag zum Thema Würfelhusten startete ich in den Tag.
Hastig packten wir die Zelte und das andere Zeug zusammen und machten uns erneut auf den Weg zum Eiskanal. Mario verschwand den Tag über wieder in der Waschmaschine. Ulf und ich wieder ab auf die Kinderstrecke. Aus unerfindlichen Gründen (vielleicht wegen der morgendlichen Erleichterung) klappte an diesem Tag alles viel besser. So entschied ich mich Mario mal zu fragen, ob er Lust hätte mir auf der Olympiastrecke voraus zu fahren. Dazu hatte er natürlich Lust. Also bog der Konvoi Mario- Lenz- Lewin nach rechts auf die Olympiastrecke ab. Sarah und Ulf mit Kamera und der Hoffnung, ein paar witzige Bilder zu machen wie ich ungewollt in der Walze Festhänge rannten am Ufer entlang.
Also fuhr ich exakt Mario hinterher. Hat super geklappt! Tatsächlich bin ich im Boot sitzend am Ende der Strecke angekommen. Mario spielte dann noch ein bisschen, was ich mit einem Dauergrinsen auf der Speicherkarte meiner Digicam festhielt.
Nach der Erkenntnis, dass wir am nächsten Tag wieder Arbeiten müssen und wir noch 200km Autobahn vor uns haben, packten wir die Boote wieder aufs Dach und brausten glücklich Richtung Heimat.
autor: fabian "humpa" lenz
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